05 – Ensinger


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Create Date 29. October 2016
Last Updated 29. October 2016
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Um ein besseres Verständnis über die Bedeutung der Wälder als Ressource für Erholung zu erlangen, wurden in der vorliegenden Untersuchung qualitative und quantitative Untersuchungsschritte kombiniert. Insgesamt wurden zwei telefonische Umfragen (jeweils n=2000) und 23 qualitative Interviews in Baden-Württemberg in den Jahren 2009 und 2010 durchgeführt. Durch die Triangulation der verschiedenen Verfahren konnten zum einen die Daten für die Erholungsnutzung der Wälder in Baden-Württemberg aktualisiert werden: Der Wald in Baden-Württemberg wird als Erholungsort gesehen und genutzt. Insbesondere der fußläufig erreichbare Wald spielt für die zeitnahe Erholung eine bedeutsame Rolle. Bereits in den Ergebnissen der quantitativen Befragungen lassen sich anhand moderierender Faktoren erste Hinweise auf unterschiedliche Erholungskonzepte in Abhängigkeit von der jeweiligen Lebenssituation aufzeigen. Zum anderen wurde durch das Aufzeigen von individuellen Wahrnehmungen und Praktiken veranschaulicht, was den Wald zu jener „anderen Welt“ macht, in der gesundheitsrelevante Erholungsprozesse stattfinden können. Darüber hinaus erfolgte die Interpretation der Ergebnisse auf einer breiten Datenbasis. Die im Artikel beschriebenen Teilergebnisse zeigen, dass Erholung im Zusammenhang mit Waldbesuchen danach differenziert werden kann, wovon Personen sich erholen bzw. wovor sie „Ruhe“ suchen. Für fast alle Befragten hat der Wald eine Bedeutung als etwas Besonderes („Eintauchen in einer andere Welt“). In den Wald kommt man nicht „rein“, sondern man kommt „raus“ – so dass der Waldbesuch von etwas weg führt und eine Zuflucht vor dem Alltäglichen bietet. Die für eine gelungene Erholung notwendige Distanzierungsphase wird als wesentliches Element eines Waldbesuches auf unterschiedliche Art und Weise erlebt: Distanzierung kann Ruhe – aber auch geräuschvolle Aktivitäten –, Stillstand – aber auch Bewegung und Leistung – bedeuten. Interessanterweise kennen Kinder und Jugendliche das mit Wald assoziierte Erholungskonzept der Erwachsenen und antizipieren es für ihre eigene Zukunft („wenn ich älter bin...“). Erwachsene wissen, dass Kinder im Wald Freiräume von sozialer Kontrolle erleben können. Auch wenn sich Jugendliche vom Waldbesuch distanzieren, haben sie doch ähnliche Sichtweisen auf den Wald wie Erwachsene. Somit gehört Erholung im Wald konstitutiv zum Konzept von Wald für alle Lebensphasen. Insgesamt wird aufgrund der Vielfalt der Erholungskonzepte und unterschiedlichen Bedeutungen der Erholungsphase „Distanzierung“ jedoch deutlich, dass auch im Wald Gestaltungsansätze sowie Leitlinien erforderlich sind, um den differenzierten Erholungsansprüchen der Gesellschaft, wie vom Gesetzgeber vorgesehen, angemessen begegnen zu können.

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