05 – Pretzsch


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Create Date 29. October 2016
Last Updated 29. October 2016
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Der Aufsatz gibt eine Übersicht über theoretische Vorstellungen und empirische Fakten zur Produktivität von Misch- gegenüber Reinbeständen. Im theoretischen Teil werden zunächst Mischungseffekte auf Baumebene aus der Interaktion von Begünstigung und Konkurrenz abgeleitet (Abb. 1-3). Durch Baumartenmischung kann es zu einer Modifikation von Begünstigung oder Konkurrenz und dadurch zu Veränderungen der Produktivität gegenüber dem Reinbestand kommen. Solche Mischungseffekte können sich zum einen in einer Veränderung der mittleren Produktivität von Einzelbäumen äußern, zum anderen in einer Erhöhung der Packungsdichte von Bäumen in Misch- gegenüber Reinbeständen (Abb. 4). Die Zusammenwirkung von Zuwachs- und Dichteeffekt erbringt den Effekt der Mischung auf die Bestandesproduktivität insgesamt. Dieser Gesamteffekt kann durch Maßzahlen für die relative Produktivität (LER, RYT, RPR) quantifiziert oder durch Kreuz - diagramme veranschaulicht werden kann (Abb. 5).
Eine konzeptionelle Vorstellung vom Zusammenhang zwischen Mischungseffekten und Standortbedingungen vermittelt die Stress-Gradienten-Hypothese. Sie geht davon voraus, dass Mischungseffekte mit Blick auf die Einzelbaumproduktivität oder die Bestandesdichte auf produktionsschwachen Standorten eher positiv ausfallen; auf produktiveren Standorten dagegen eher neutral oder sogar negativ. Dies resultiert aus dem Zusammenspiel von Begünstigung, die auf produktionsschwachen Standorten die Oberhand hat und Konkurrenz, die auf produktiveren Standorten dominiert (Abb. 6).
Im zweiten Teil der Arbeit werden aus langfristigen Versuchsflächen zu den Mischungen Fichte/Buche, Eiche/Buche, Kiefer/Buche und Fichte/Tanne empirische Fakten abgeleitet. Bei den Versuchen handelt sich jeweils um Triplets von Parzellen (zwei Reinbeständen und einem Mischbestand aus zwei verschiedenen Baumarten), die zum Teil seit mehr als 100 Jahren unter Beobachtung stehen und entlang eines ökologischen Gradienten von Dänemark über Polen und Deutschland bis in die Schweiz angesiedelt sind. Die Mehrzahl der Versuche liegt in Bayern und Niedersachsen.
Die Mischung bewirkt eine Steigerung der mittleren Baumproduktivität (Trockensubstanz) bis zu 60% und eine Anhebung der Bestandesdichte bis zu 50% (Abb. 7). Während die Nadelbaumarten auf Mischung insbesondere mit einer Anhebung der mittleren Baumproduktivität reagieren, äußert sich Mischung bei Laubbäumen eher in einer Anhebung der carrying capacity (Trag - fähigkeit). Bei insgesamt positiven Mischungseffekten mit Blick auf Baumproduktivität und Bestandesdichte streuen die Beobachtungswerte bei allen Baumartenkombinationen beträchtlich, da Mischungsanteile, Mischungsstrukturen, Alter und Standort der Bestände variieren. Auf Bestandesebene ergeben sich mittlere Mehrzuwächse von 25–50% (Abb. 8). Mehrzuwächse der einen Art sind nicht mit Minderzuwächsen der anderen Art im selben Bestand korreliert, vielmehr scheint wechselseitige Förderung vorzuherrschen. Die Analyse von Mischungseffekten in Abhängigkeit von den Standort - bedingungen (Oberhöhenbonität) ergibt über alle Artenkombinationen hinweg eine weitgehend einheitliche Tendenz: mit zunehmender Bonität nehmen die positiven Mischungseffekte ab. Höchste Produktivitätsgewinne durch Mischung werden auf Standorten geringer und mittlerer Bonität erreicht (Abb. 9 und Tabelle 1).
Als Ursachen für die Mischungsreaktionen werden räumliche und zeitliche Nischen-Komplementarität (Konkurrenzreduktion) und Begünstigungseffekte (Nähr stoffumverteilung von einer zur anderen Art, Wassererschließung, Humusverbesserung) zwischen den Baumarten diskutiert. Weiter wird die Relevanz der Ergebnisse für eine ressourcenschonende Waldbewirtschaftung und die Risikovorsorge angesichts von Klimaänderungen hervorgehoben. Schließlich kommt der Beitrag der empirischen Ergebnisse für die ökologische Modellierung und Theoriebildung zur Sprache.

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