03 – Tegel


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Create Date 28. May 2016
Last Updated 27. July 2016
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In den frühen 1980er Jahren richtete sich das wissenschaftlicheund öffentliche Augenmerk in vielen LändernEuropas auf die zunehmende Erkrankung und dasAbsterben von Waldbäumen. Der Begriff „Waldsterben“wurde geprägt. Umweltschutz und Nachhaltigkeit gerietverstärkt in den Fokus der Politik.Insbesondere die Weißtannen waren um die Mitte der1970er Jahre stark geschädigt. Die Krankheitserscheinungenüber biotische und abiotische Schadfaktoren zurerklären blieb eine Herausforderung, weil räumlicheund zeitliche Daten fehlten (z.B. SCHÜTT und COWLING,1985; INNES, 1987; KANDLER und INNES, 1995).Basierend auf den Arbeiten vieler dendrochronologischerLaboratorien, während den letzten rund 40 Jahren,konnte ein europäischer Datensatz zusammen -gestellt werden, der 14.136 Jahrringbreitenserien vonTannen der letzten rund 1.000 Jahre umfasst (Tab. 1,Abb. 1 und 2). Vergleiche der regionalen Zuwachsver -läufe zeigen ein erstaunlich hohes Maß an Gemein -samkeiten (Abb. 3 und 4). Die jährlichen, dekadischenbis mehrhundertjährigen radialen Zuwachsschwankungender europäischen Tannenchronologien können hochsignifikantkorreliert werden (Abb. 4 und 5). Eingemein samer Faktor, der das europäische Tannenwachstummaßgeblich steuert, konnte jedoch nicht eindeutigidentifiziert werden (Abb. 5). Untersuchungen modernerKlima-Wachstumsbeziehungen erwiesen sich als problematisch(Abb. 6), da die klimatische Wachstumssteuerungdurch eine moderne, von Emissionen verursachteSteuerung teilweise überlagert wird. Über die historischenDatensätze konnte dennoch festgestellt werden,dass atmosphärische Druckverhältnisse nördlich derAlpen von April bis Juni mit Wachstumsextremjahrenkorrelieren und auch mittel- bis langfristige Schwankungendes Radialzuwachses beeinflussen (BÜNTGEN etal., 2011).356 ausgewertete Pollenprofile halfen die holozäneAusbreitungsentwicklung besser zu beurteilen. Ab demMesolithikum (~6000 BC) bis zum Ende der Bronzezeit(~1000 BC) erfolgte eine kontinuierliche Zunahme derTannen. Ab der Römerzeit (~100 AD) beginnt einAbwärtstrend der sich in der Neuzeit (~1500 AD) nochmalsbeschleunigt (Abb. 7). Während im letzten Jahrtausendin erster Linie Landnutzung und Klima die Waldstrukturund Produktivität steuerte, änderte sich diesab rund 1850 durch die fortschreitende Industrialisierungverbunden mit hohen Emissionen.Die Untersuchung zeigt auch, dass die Tannen inMitteleuropa von den wärmeren aber nicht trockenerenklimatischen Bedingungen der letzten Jahrzehnteerheblich profitierten (Abb. 5). Nicht zuletzt auch durchdie verringerte Luftschadstoffbelastung der letzten rund30 Jahre fallen die Prognosen für zukünftig gesunde undproduktive Tannen, unter sich im Wandel befindlichenBedingungen zu wärmerem und trocknerem Klima, günstigaus. Im Gegensatz sind in Gebieten der südlichenVerbreitungsgrenze, im Mediterranen Raum, deutlicheWachstumsrückgänge zu beobachten, was bei zunehmenderTrockenheit in Regionen mit flachgründigenBöden mit geringer Wasserspeicherkapazität zu einerkritischen Entwicklung führen wird.

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