01 – Zahn


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Create Date 18. May 2017
Last Updated 18. May 2017
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In einem gemeinsamen Forschungsprojekt der Fachhochschule Weihenstephan (Fakultät Wald und Forstwirtschaft) und der Ludwig- Maximilians Universität München (Department Biologie II) wurde 2006 auf der Herreninsel (Chiemsee, Oberbayern) untersucht, welche Waldtypen von den vorkommenden Fledermausarten genutzt werden und welche Rolle der Wald als Jagdhabitat im Vergleich zu den Lebensräumen des Offenlandes spielt. Die Erfassung der Fledermausjagdaktivität erfolgte von Juni bis September mittels Fledermaus-Detektor (Petterson 1000), die aufgenommenen Laute wurden am PC analysiert. Die Fledermausaktivität war in den Habitaten „Laubwald“, „Gehölzelemente außerhalb des Waldes“, „Chiemsee“ und „Gebäudeumfeld“ am höchsten. Im „Offenland“ und an den „Stillgewässern“ auf der Insel war die Fledermausaktivität am geringsten. Im „Misch“- und „Nadelwald“ sowie im „Ufergehölz“ wurden mittlere Werte erreicht. Fasst man alle Waldtypen zusammen, so wurden hier insgesamt 72% aller Nachweise verzeichnet. Gut ein Drittel (37%) aller Lautaufnahmen aus Waldhabitaten entfällt allerdings nicht auf dichte, geschlossene Waldbestände sondern auf Lichtungen, Waldränder und waldrandähnliche Situationen. Berücksichtigt man die Flächenanteile und berechnet welche Anteile der Gesamtaktivität auf der Insel auf die jeweiligen Habitate entfallen, so stellt der Laubwald mit Abstand das bedeutendste Jagdhabitat dar (54% der Gesamtaktivität). Insgesamt konnten 11 Arten sowie eine Artengruppe nachgewiesen werden (Plecotus auritus, Myotis myotis, Myotis emarginatus, Myotis mystacinus/brandtii, Myotis daubentoni, Myotis nattereri, Barbastella barbastellus, Nyctalus noctula, Nyctalus leisleri, Pipistrellus pipistrellus, Pipistrellus nathusii, Pipistrellus pygmaeus). Im „Laubwald“ wurden 11 Arten nachgewiesen, im Offenland gelang lediglich 1 Artnachweis. Auch an den „Stillgewässern“ und im „Mischwald“ war die Artenzahl gering (3). Die übrigen Lebensräume lagen mit 5 bis 7 Arten im mittleren Bereich. Eine Analyse der Habitatnutzung war bei 7 häufiger nachgewiesenen Arten möglich. Die Pipistrellus-Arten jagten überwiegend an Gehölzstrukturen des Offenlandes und im Gebäudeumfeld. Pipistrellus pygmaeus trat jedoch deutlich häufiger als die beiden anderen Arten im Laubwald auf, und Pipistrellus nathusii an Gewässern. Myotis mystacinus/ brandtii waren in fast allen Lebensräumen zu finden, wobei der Schwerpunkt in den Wäldern lag. Myotis nattereri wurde in den Wäldern sowie Ställen angetroffen, Myotis daubentoni an Gewässern und in geringerem Umfang im Laubwald. Myotis myotis jagte zwar wie zu erwarten im Wald, doch auch sehr häufig im Gebäudeumfeld, wo die Art ebenfalls geeignete Bedingungen für ihre Jagdweise (Insektenfang auf vegetationsarmen Bodenoberflächen) vorfand. Die Nachweise der übrigen Arten stammen fast ausschließlich aus Waldhabitaten. Dies unterstreicht die Bedeutung der Wälder auf Herrenchiemsee, die sich durch Strukturreichtum und einen hohen Anteil alter Bäume (60 bis 150 Jahre über der Umtriebszeiten im Wirtschaftswald) auszeichnen, als Fledermaushabitat.

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