01 – Weiss


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Create Date 5. November 2016
Last Updated 5. November 2016
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Viele Ökosystemleistungen des Waldes haben Merkmale öffentlicher Güter und sind daher schwierig zu vermarkten. Daher gewinnen neue Finanzierungsmechanismen an Bedeutung. Dieser Artikel untersucht Ökosystemleistungen des Waldes aus der Perspektive der Innovationsforschung. Die Finanzierungsmechanismen werden in drei Gruppen eingeteilt: reine öffentliche Mechanismen (Steuern und Förderungen), gemischt öffentlich-private Mechanismen (öffentlich-private Verträge und die Einrichtung neuer Märkte) sowie reine private Mechanismen (Handel mit Gütern und Dienstleistungen, Kauf und Verpachtung von Land, Ökosponsoring, Schenkungen und Zertifizierung). Der Beitrag gibt einen Überblick über den Einsatz dieser Finanzierungsmechanismen in Europa, gestützt auf eine Befragung von Vertretern der öffentlichen Verwaltung (Forstministerien) sowie Praxisvertreterinnen (Forstwirtschaft und Naturschutz) in 26 EU-Staaten. Alle Gruppen berichten, dass überwiegend öffentliche Mechanismen zum Einsatz kommen. Während die Ministeriumsvertreter eher weitere steuerliche und Förderungsinstrumente vorschlagen, setzen die privaten Akteure eher auf vertragliche Instrumente oder die Schaffung neuer Märkte. Bemerkenswerterweise werden reine private Marktmechanismen kaum vorgeschlagen. Auch Waldeigentümervertreter zielen eher auf staatliche Aktivitäten als auf verstärkte eigene Marketingmaßnahmen. Nichtholzgüter und -dienstleistungen werden offenbar nicht als ein Geschäftsfeld angesehen.

Dieser Artikel diskutiert anschließend aus der Sicht des Innovationssystemansatzes, was diese Ergebnisse für die Forstpolitik (governance) implizieren und beschreibt, wie sich die Rollen öffentlicher Institutionen wandeln. Es wird eine paradoxe Entwicklung beobachtet: Obwohl die öffentliche Verwaltung zunehmend markt basierte Instrumente einsetzt und sich teilweise auf Beratungsaufgaben zurückzieht, erhält sie neue Rollen im Zuge der Sicherstellung von Ökosystemleistungen. Auf der einen Seite passt der verstärkte Einsatz von marktbasierten Instrumenten zum Trend, private Akteurestärker in das Management natürlicher Ressourcen einzubinden. Verantwortlichkeiten werden in die Hand privater Akteure gelegt. Auf der anderen Seite haben öffentliche Institutionen neue Aufgaben zu erfüllen, um private Finanzierungsmechanismen als Innovationen in der Bereitstellung von Ökosystemleistungen zu entwickeln.

Neue Aufgaben bestehen in der Unterstützung innovativer Tätigkeiten im Sektor aber auch in institutionellen Innovationen. Staatliche Instrumente wie bspw. Förderungen sind weiterzuentwickeln, neue Marktmechanismen sind zu implementieren und Kooperationsstrukturen von Waldeigentümern und über Sektorgrenzen hinweg müssen unterstützt werden. Damit ändern sich die Rollen öffentlicher Institutionen: Die traditionelle Trennung von Markt und Staat geht verloren und neue Formen der Steuerung entstehen, in welchen der Staat private Akteure einbezieht aber zugleich Verantwortung für die Entwicklung von Märkten übernimmt.

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