02-Schraml


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Create Date 16. September 2018
Last Updated 16. September 2018
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Ausgangspunkt der Untersuchung sind quantitative und qualitative Nutzungsänderungen im Bereich der naturbezogenen Erholung, die zu Belastungen für Mensch und Umwelt führen. Die Ursachen und Wirkungen von Störeffekten auf das Erholungserleben von Natursportgruppen zu analysieren, war das Ziel der Untersuchung. Mit einem modellhaften Erholungssystem wurden zunächst die Wirkungsmechanismen zwischen Landschaft, Management und sozialen Attributen der Erholungsnutzung dargestellt (Abb. 1). Inwiefern Veränderungen eines Erholungssystems bei einem Erholungsaufenthalt störend wirkten, ließ sich mit Hilfe der Erholungskonflikttheorie systematisieren. Die Qualität eines Erholungserlebnisses wurde individuell bewertet und in Beziehung zu den vier Faktoren „Ressourcenbindung“, „Aktivitätsbindung“, „Erfahrungen“ und „Toleranz“ gesetzt. Diesem Ansatz wurden im Laufe der Untersuchung der Faktor „Erwartungen“ und vier Motivgruppen hinzugefügt (Abb. 2).

Als Untersuchungsraum wurde der Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord gewählt. Ein quantitativ-empirischer Teil diente der Erstellung eines „sozialen Profils“, in dem exemplarisch die Verschiedenartigkeit der Aktivitätsgruppen und ihre Störempfindungen erfasst wurden. Hierfür wurden 825 organisierte Erholungssuchende aus 200 Vereinen im Zeitraum Juli bis November 2003 mittels eines Fragebogens befragt und ihre Daten mit einer explorativen Pfadanalyse ausgewertet. Untersucht wurden die Aktivitäten Wandern, Radfahren und Reiten als traditionelle Erholungsformen und Joggen/Walken, Mountainbiken und Gleitschirm- bzw. Drachenfliegen als neuere Trends. In einem zweiten Schritt, wurden die Ergebnisse mithilfe von problemzentrierten Experteninterviews aus dem Bereich Natursport validiert.

Die Befragungskollektive der sechs Natursportdisziplinen unterschieden sich sowohl in ihren soziodemografischen Strukturen als auch in ihren Störempfindungen (Tab. 1). Hinsichtlich möglicher Störeffekte aus den Bereichen „Erholungseinrichtung“, „Waldbewirtschaftung“ (Abb. 3) und „andere Besucher“ zeigten sich Antwortmuster, die Störungen der Wegegestaltung, Infrastrukturausstattung, Landschaftsästhetik, Hunde und Mountainbiker identifizieren und auf Managementdefizite schließen lassen. In der Regel reagierten die infrastruktur-abhängigen Gruppen Mountainbiken, Reiten und Gleitschirm- bzw. Drachenfliegen sensibler auf Störungen. Im Rahmen der Analyse konnten daraufhin Unterschiede zwischen den beeinflussenden Faktoren und Motivgruppen festgestellt werden. Während eine ausgeprägte Bindung zur Landschaft insbesondere die Störempfindungen natur-orientierter Erholungssuchender wie den Wanderern signifikant beeinflusste (Tab. 2), wurden die mechanisierten bzw. technisierten Kollektive wie die Mountainbiker von ihrer Aktivitätsbindung geprägt (Tab. 3). Neben den Faktoren „Ressourcenbindung“ und „Aktivitätsbindung“ wirkten auch die Faktoren „Erfahrungen“ und „Erwartungen“ auf die Kollektive ein. Unabhängig von den Natursportgruppen übte Entdecken/ Genießen als einzige der vier abgefragten Motivgruppen einen positiven Einfluss auf ihre Störungsempfindungen aus.

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