02 – Pretzsch


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Create Date 9. May 2017
Last Updated 9. May 2017
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Im Mittelpunkt steht die Frage, nach welchem Schlüssel sich der Zuwachs auf die Bäume eines Bestandes verteilt. Insbesondere wird geprüft, ob der Verteilungsschlüssel von den Standortbedingungen abhängt. Damit soll zum einen die Theorie der Stoffallokation vorangebracht werden, die bisher anhand krautiger Pflanzen entwickelt, für Wäldbestände aber kaum geprüft wurde. Neben dem Verständnisgewinn hat Wissen über die Standortabhängigkeit der Zuwachsallokation auch praktische Relevanz, indem es erlaubt, Pflanzverband, Durchforstung oder Strukturierungsmaßnahmen standortspezifisch zu steuern.

Aufgebaut wird auf Daten von insgesamt 34 Versuchsflächen mit 571 Aufnahmen, die bis 1871 zurückgehen und die Baumarten Fichte, Kiefer, Buche und Eiche abdecken (Tabellen 1 und 2). Die Versuchsbestände decken ein breites Spektrum von Bonitäten, Bestandesdichten und Altersphasen ab (Tabelle 2). Für alle 571 Aufnahmezeitpunkte werden über OLS-Regression die Durchmesser- Durchmesserzuwachs-Geraden berechnet und deren Steigung als Indikator für die Art der Konkurrenz verwendet. Die Steigung wird in ihrer Abhängigkeit von Bestandesparametern analysiert (Tabelle 4) und enthüllt folgende Gesetzmäßigkeiten: Erwartungsgemäß nimmt die Steigung der Zuwachsgeraden im Zuge der Bestandesentwicklung ab (Tabelle 4). Bei Fichte, Buche und Eiche nimmt die Steigung der Zuwachsgeraden mit zunehmender Bestandesdichte zu (Tabelle 4). Das wichtigste Ergebnis aber ist, dass die Steigung der Zuwachsgeraden, unter sonst gleichen Bedingungen, mit zunehmender Oberhöhenbonität signifikant ansteigt (Tabelle 4 und Abbildung 2). Je fruchtbarer der Standort, desto größer ist der Zuwachs herrschender Bäume in Relation zu kleineren Nachbarn. Auf ärmeren Standorten dagegen sind unterständige im Vergleich zu größeren Nachbarn weniger benachteiligt (Abbildung 4).

Die Befunde werden vor dem Hintergrund der standorteigenen Ressourcenlimitierung diskutiert: Demnach kommen herrschende Bäume auf günstigen Standorten überproportional gut weg, weil sie dort ihren überlegenen Zugang zum Licht ausschöpfen können. Indem sie den unterständigen Bäumen diese Ressource vorenthalten, steigern sie ihren eigenen Zuwachs und bremsen zugleich den Zuwachs kleinerer Nachbarn. Dagegen können herrschende Bäume auf armen Standorten, auf denen Zuwachs durch Wasser oder Nährstoffe limitiert ist, ihre Größenüberlegenheit weniger nutzbar machen (Abbildung 4).

Diese Zusammenhänge haben Konsequenzen für die waldbauliche Steuerung und Modellierung von Konkurrenzreaktionen und sie tragen zur Theoriebildung bei. Beispielsweise sind auf guten Standorten – wegen der dort vorherrschenden Lichtlimitierung – Zuwächse leichter auf ein bemessenes Teilkollektiv zu lenken. Unterständige Bäume und Strukturierung lassen sich dagegen einfacher auf ärmeren durch Wasser oder mineralische Nährstoffe limitierten Standorten halten, weil dort auch kleine Bäume noch proportional zu ihrer Größe zuwachsen.

Die Verallgemeinerbarkeit einer Reduktionsfunktion für die Zuwachsmodellierung in Einzelbaummodellen wird in Frage gestellt. Den Ergebnissen nach dürfte auf schwachen Standorten bei gleichem Konkurrenzindex und gleicher Pflanzengröße mehr Zuwachs geleistet werden als auf wüchsigen Standorten. Bisherige theoretische Überlegungen zur Symmetrie und Asymmetrie von Konkurrenz in Waldbeständen werden durch das einzigartige Informationspotential langfristiger Versuchsflächen quantitativ weiterentwickelt.

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