01 – Ziegeler


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Create Date 16. January 2018
Last Updated 16. January 2018
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Das FAUSTMANN’sche Modell dominiert in vielen wissenschaftlichen Arbeiten in der Forstökonomie, jedoch gelingt es unter den mitteleuropäischen Rahmenbedingungen meist nicht, zwischen diesem Modell und den realen Bewertungs- und Entscheidungsproblemen der forstlichen Praxis eine tragfähige Brücke herzustellen. Dieser Beitrag will einen Weg zur Lösung dieses Problems aufzeigen, ohne den „ökonomischen Geist“ aufzugeben, der dem FAUSTMANN’schen Ansatz innewohnt.

Hier wird der Versuch unternommen, statt des mit Hilfe der FAUSTMANN’schen Formel ermittelten Bodenertragswertes, der den Barwert sämtlicher Zahlungsüberschüsse einer ewig fortdauernden forstlichen Produktion darstellt, eine im Sinne einer Annuität ermittelte jährliche Erfolgsgröße als Zielgröße zu verwenden. Die Annuität entspricht demjenigen jährlich konstanten Betrag, der während der Laufzeit eines Investitionsprojektes unter „Kapitalerhaltung“ jährlich als Gewinnbeitrag entnommen werden kann. Diese „annuisierte“ jährliche Erfolgsgröße der laufenden Holzproduktion wird hier als „jährlicher Holzproduktionswert“ bezeichnet.

Es wird gezeigt, dass die so ermittelte Annuität sehr universell verwendbar ist, denn aus dieser Größe kann ebenso der Bodenertragswert als Spezialfall des Kapitalwertes einer ewig gleichen Rente als auch der Waldreinertrag bei zinsfreier Betrachtung abgeleitet werden. Insofern erscheint es nicht übertrieben, die Annuität als ein „missing link“ der Forstökonomie anzusehen, denn sie ist geeignet, die Bodenreinertragslehre und die Waldreinertragslehre aber auch die langfristige (ganze Umtriebzeiten umfassende) und kurzfristige, laufende Erfolgsermittlung miteinander zu verbinden.

Beispielhafte Berechnungen erfolgen für ganze Umtriebszeiten aber auch für kürzere Zeiträume. Letztere korrespondieren mit dem „sequentiellen“ Entscheidungsproblem, bei dem immer wieder geprüft werden muss, ob die Ernte oder die Erhaltung konkreter Bestände, unter Aufrechterhaltung der laufenden Wertproduktion, vorteilhafter ist. Die Größe des Kalkulationszinsfusses muss sich dabei an der in Waldbeständen typischerweise realisierbaren alternativen Grenzrendite orientieren.

Mit dem hier vorgestellten Ansatz werden einige positive Erwartungen verbunden. Die Größe des „jährlichen Holzproduktionswertes“ erscheint in der Praxis besser kommunizierbar zu sein als der Bodenertragswert. Sie kann einfach berechnet, tabellarisiert und mit anderen auf den Hektar bezogenen Erfolgsgrößen verglichen werden. Auch kann sie z.B. für die Bestimmung jährlicher Ausgleichszahlungen verwandt werden, wie sie bei veränderten Bewirtschaftungsbedingungen in Wasserschutzgebieten, FFH-Gebieten etc. benötigt werden.

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