01 – Heurich


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Create Date 29. October 2016
Last Updated 29. October 2016
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Nationalparke sind in Zentraleuropa eine relative junge Schutzgebietskategorie. Bis auf den Schweizer Nationalpark (1914) wurden alle Nationalparke erst nach 1970 gegründet. Gemäß ihrer Zielsetzung soll sich die Natur in Nationalparken möglichst frei von lenkenden Eingriffen durch Menschen entwickeln können. Wie diese Zielsetzung im Umgang mit großen Wildtieren umgesetzt werden soll, ist ein kontrovers diskutiertes Thema, da hierbei jagdliche und forstliche Traditionen noch immer eine große Rolle spielen und keine Management - standards existieren. Deshalb wurden im Rahmen dieser Arbeit Kriterien für die Einstufung der Naturnähe des Rothirschmanagements entwickelt, die eine Bewertung der Schutzgebiete erlauben. Als naturnah werden Gebiete eingestuft, in denen die Tiere nicht gefüttert werden, in denen keine jagdlichen Maßnahmen stattfinden und in denen die Populationen durch natürliche Mechanismen reguliert werden. Um die aktuelle Situation des Rothirschmanagements in den Nationalparken Deutschlands, Österreichs und der Schweiz zu erfassen, wurden standardisierte Fragebögen an die 20 Nationalpark - verwaltungen mit Rothirschvorkommen versendet. Insgesamt haben sich 16 Nationalparke an der Studie beteiligt. Darin wurden Fragen zum Schutzgebiet, zum Rothirschvorkommen, zur Art und Weise des Rothirschmanagements und seinen Rahmenbedingungen gestellt. Mit Hilfe der entwickelten Naturnähekriterien wurde schließlich eine Bewertung des Rothirschmanagements in den einzelnen Schutzgebieten vorgenommen. Die Ergebnisse zeigen in den meisten Schutzgebieten eine hohe bis sehr hohe Intensität des Rothirschmanagements, die mit der Nationalparkzielsetzung schwierig vereinbar ist. Abgesehen vom Schweizerischen Nationalpark werden die Rothirschpopulationen in allen befragten Schutzgebieten stark manipuliert v.a. hinsichtlich der Populationsentwicklung (Regulationsabschüsse, Fütterung), des Raum-Zeit-Verhaltens (Jagd- und Besucherdruck) und der Selektion bzw. Bevorzugung bestimmter Phänotypen (jagdliche Selektion, Fütterung). Darüber hinaus kommt natürlichen Regulationsmechanismen wie z.B. großen Beutegreifern bislang nur eine untergeordnete Rolle zu.

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