01 – Gailing


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Create Date 10. May 2017
Last Updated 10. May 2017
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Aufgrund ihrer Vererbung über den Samen können Chloroplas - ten-DNA-Marker wertvolle Informationen über die geografische Herkunft von Eichen und anderen Angiospermen liefern. Da die Verbreitung über den Samen im Vergleich zur Pollenverbreitung räumlich begrenzt ist, zeigen Chloroplasten (cp)-DNA Marker häufig eine geringe Variation innerhalb, aber eine hohe Variation zwischen Populationen und geografischen Regionen.

Wir haben die Chloroplastenhaplotypen in vier Regionen bei insgesamt 24 Quercus robur Beständen bestimmt, die zwischen Anfang des 18. und Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer Zeit begründet wurden, bevor extensiver Samenhandel durch das Aufkommen der Eisenbahn einsetzte. Zusätzlich wurden 63 sehr alte Eichen (zwischen 250 und 700 Jahre alt) aus einer Region mit den gleichen Chloroplasten-Markern untersucht. Dabei wurde eine ähnliche Zusammensetzung der Haplotypen gefunden wie in den alten Eichenbeständen der selben Region. Haplotyp 1 als die häufigste Variante im westlichen Teil Deutschlands trat auch in dieser Untersuchung am häufigsten auf (71,5%), gefolgt von den Haplotypen mit südwesteuropäischem Verbreitungsschwerpunkt H12 (21,5%), H10 (4,9%), H11 (ca. 1%) und H7-26 (ca. 1%) mit Verbreitungsschwerpunkt im Südosten Deutschlands. Ein beträchtlicher Anteil der gesamten genetischen Variation war zwischen den Populationen (58,9%) und geografischen Regionen verteilt. Dadurch ist es möglich, im Besonderem anhand seltener Chloroplastenhaplotypen, Bestände voneinander zu unterscheiden, die mit heimischem oder mit eingeführtem Saatgut begründet worden sind.

Durch cpDNA Untersuchungen an sehr alten Eichenbeständen können Aussagen darüber getroffen werden, welche Chloroplastenvarianten vermutlich vorherrschend im Untersuchungsgebiet waren, bevor extensiver Transfer von Eichensaatgut mit dem Aufkommen der Eisenbahn einsetzte. Im Vergleich mit der Verteilung der Chloroplastenhaplotypen in mehr als 2600 über Europa verteilten Eichenbeständen (PETIT et al., 2002b) kann abgeschätzt werden, inwieweit die genetische Variation an Chloroplastenmarkern im Untersuchungsgebiet durch natürliche Prozesse wie die nacheiszeitliche Rückwanderung der Eichen nach Mitteleuropa bzw. durch menschliche Einflüsse (Saatguthandel) beeinflusst wurde.

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