04 – Segmüller


TitelDas Viskotoxin 1-PS der Kiefernmistel – Regionalvergleich und ökophysiologische Hinweise
AutorSTEFAN SEEGMÜLLER
HeftAFJZ 2012 - Heft 1&2
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Create Date30. October 2016
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Zusammenfassung

Ziel der Untersuchung war, am Beispiel der Kiefernmistel zu prüfen, ob die Viskotoxine mit Umweltbedingungen, die zu Pflanzenstress führen können, zu - sammenhängen. Kiefernmisteln (Viscum album L. ssp. austriacum) wurden forstlicherseits bisher meist als Waldschädlinge wahrgenommen. Andererseits sind Präparate auch auf der Basis der Kiefernmistel komplementäre Krebsmedikamente. Ihre cytostatische Wirkung lässt sich unter anderem auf die Viskotoxine zurückführen. Viskotoxine sind kleine Proteine mit drei reduzierbaren Disulfidbrücken und besitzen immunstimulierende und zellauflösende Wirkungen.
Über regionale Konzentrationsunterschiede und physio logische Erkenntnisse zu den Viskotoxinen gibt es bisher kaum Hinweise. Deshalb geht der vorliegende Beitrag den Fragen nach, inwieweit sich die Viskotoxingehalte von Misteln unterschiedlicher geografischer Herkunft voneinander unterscheiden und welche Verbindungen es zur Ernährungs- und Stressphysiologie der Pflanzen gibt.
Zu diesem Zweck wurden entlang eines Nordost-Südwest- Transsekts quer durch Deutschland und die Schweiz Misteln von fünf Kiefernbeständen unterschiedlicher Ernährungslage und Klima aus dem Hauptverbreitungsgebiet der Kiefernmistel gewonnen und auf ihre Viskotoxingehalte hin untersucht. Die vorliegende Studie konzentrierte sich dabei auf das 1-PS als dem wichtigsten Kiefernmistel-Viskotoxin.
Die Kiefernmisteln hatten umso mehr 1-PS, je niedriger der Ernährungsstatus gemessen an den Stickstoffund Schwefel-Nadelspiegeln der Wirtsbäume war. Möglicherweise kommt dem 1-PS dementsprechend eine Bedeutung im Zusammenhang mit dem antioxidativen System zu.
Hinweise darauf sind die Beziehungen der Mistel - gehalte an 1-PS zu sommerlicher Trockenheit und der Globalstrahlung im Herbst. Je trockener der Sommer bzw. je strahlungsreicher der Herbst ist, umso mehr 1- PS bilden die Misteln. Auch wenn der geringe Stich - probenumfang nicht erlaubt, die Frage nach der stand - örtlichen oder geografischen Variabilität des 1-PS abschließend zu beantworten, so legt die vorliegende Studie dennoch die Vermutung nahe, dass das Viskotoxin 1-PS der Kiefernmistel für das antioxidative System der Pflanzen insbesondere dann eine Rolle spielt, wenn die Stickstoff- und Schwefelversorgung für eine ausreichende Photosysntheserate bzw. Thiolbildung als herkömmlichem Substrat des antioxidativen Systems nicht ausreichen.

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