04 – Moelder


TitelVielfältige Baumschicht – reichhaltige Verjüngung? Zur Naturverjüngung von artenreichen Laubwäldern im Nationalpark Hainich
AutorA. MÖLDER, M. BERNHARDT-RÖMERMANN und W. SCHMIDT
HeftAFJZ 2009 - Heft 3&4
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Create Date10. May 2017
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Zusammenfassung

Im thüringischen Nationalpark Hainich mit seinen ausgedehnten, baumartenreichen Laubmischwäldern wurden Zusammenhänge zwischen Baumschicht- und Verjüngungsdiversität unter Berücksichtigung des Schalenwildverbisses untersucht. Die Diversität von Baumschicht und Verjüngung war in den geschlossenen Beständen positiv korreliert (Tab. 3, Tab. 4, Abb. 4). Beide Straten unterschieden sich jedoch erheblich in ihrer Zusammensetzung. Insbesondere war die Verjüngung in buchendominierten Beständen diverser als die Baumschicht, in hochdiversen Beständen verhielt es sich umgekehrt (Abb. 2). Hauptbaumarten in der Verjüngung waren Berg - ahorn (Acer pseudoplatanus), Esche (Fraxinus excelsior), Spitz - ahorn (Acer platanoides) und Buche (Fagus sylvatica) (Abb. 3). Von den mit zunehmender Bestandesdiversität reichlicher in der Baumschicht vertretenen Eichen, Hainbuchen und Linden fand sich selten Verjüngung. Diversität und Quantität der Verjüngung wurden offensichtlich negativ von zunehmender Streuauflage und Boden - azidität beeinflusst, die aufgrund von Baumarteneffekten variierten. Insbesondere schwer zersetzbare, versauernde Buchenstreu wirkte limitierend auf die Verjüngung. Es konnten keine signifikanten Beziehungen zwischen Diversität sowie Quantität der Verjüngung und dem Lichtangebot unter dem geschlossenen Kronendach festgestellt werden (Tab. 5). Zwischen der niedrigwüchsigen Verjüngung und dem Oberstand fehlte ein Zwischenstand mit höherem Jungwuchs (Abb. 1). Wahrscheinlich war es unter dem Kronendach aller Untersuchungsflächen zu dunkel für das weitere Einwachsen der Verjüngung, der Wildverbiss hat diesen Effekt verstärkt. Die Verbissintensität war weder quantitativ noch qualitativ mit dem Gehölzangebot korreliert, jedoch positiv mit der vertikalen und horizontalen Diversität der Baumschicht (Abb. 5). Insbesondere ehemalige Mittel- und Plenterwaldbestände mit hoher Baum artenvielfalt bieten einen guten Witterungsschutz im Winter („thermal cover“) durch tief beastete, unterständige Bäume, die einen entscheidenden Reiz für die Habitatwahl vor allem des Rehwildes darstellen.

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