02 – Glaeser


TitelDie historische Entwicklung der Auenwälder in Deutschland – Ein Überblick
AutorJ. GLAESER und H. VOLK
HeftAFJZ 2009 - Heft 7&8
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Create Date10. May 2017
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Zusammenfassung

Der Beitrag behandelt größere, heute noch vorhandene Auenwaldflächen an den Flüssen Donau, Elbe, Oder, Rhein sowie an den Flüssen Elster /Pleiße/Luppe im Gebiet um Leipzig. Die historische Entwicklung dieser Auenwälder seit der Nacheiszeit wird für einen frühen Zeitabschnitt (Periode Nacheiszeit und ältere Kulturaue von 11000 v. Chr. bis 1650 n. Chr.) und einen jüngeren Zeit - abschnitt (Periode der jüngeren Kulturaue von 1650 bis heute) dargestellt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Entwicklung der Hartholz-Auenwälder. Es konnte gezeigt werden, dass nicht nur die allgemein bekannten Baumarten des Hartholzaue-Auenwaldes wie Carpinus betulus, Quercus robur, Tilia cordata, Ulmus spec. zu den natürlichen Baumarten der mitteleuropäischen Flussauen gehören, sondern auch Acer pseudoplatanus, Fagus sylvatica, Fraxinus excelsior und Pinus sylvestris. Der Mensch hat früher in die nacheiszeitlichen Naturwälder der Hartholzauen eingegriffen als bisher vermutet wurde. Seit dem Mittelalter sind Einzelfälle von flussverändernden Maßnahmen überliefert.

In der Periode der jüngeren Kulturaue gab es bereits vor den Flussregulierungen im 19. Jahrhundert starke Eingriffe in die Auen. Bestehende Flusssysteme wurden z.B. am Oberrhein verlegt. Dämme veränderten die Nutzungsstruktur in den Auen nachhaltig. Hartholz-Auenwälder wurden sehr häufig unter dem Druck der landwirtschaftlichen Nutzung in Felder umgewandelt und die Struktur der verbliebenen Auenwälder wurde stark verändert. Für einzelne Flussabschnitte konnte der enorme Flächenverlust an Auenwäldern zwischen 1700 und 1840 genauer erfasst werden. Die Biotoptradition der Hartholz-Auenwälder ist an der Elbe und in der Leipziger Aue deutlich länger vorhanden als am Oberrhein und an der Donau bei Neuburg. Am Oberrhein und der Donau hatten erst die Flusskorrektionen den Aufbau der heutigen Hartholz- Auenwälder zur Folge.

In Anpassung an den Fortschritt der Flusskorrektionen im 19. und der Flussausbauten im 20. Jahrhundert wurden die Hartholz- Auenwälder in Deutschland und den angrenzenden Gebieten mit einer europaweit bedeutsamen Vielfalt an Baumarten um- und aufgebaut. In diesem Prozess wechselten die Waldbausysteme zumeist vom Niederwald über den Mittelwald zum Hochwald.

Aus der historischen Landschaftsanalyse über Auen und Auenwälder können Anregungen für den Naturschutz und Hochwasserschutz abgeleitet werden. Offene Forschungsfelder werden für einige der mitteleuropäischen Flussauen und Auenwälder umrissen.

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